altes thema neuer anlauf: ich habe den text gelöscht und habe das was problem machte als ansatzpunkt für den weiteren weg (ungelöst, es unübersetzt bewahrend) übernommen.
meine aktuelle lektüre kreist um die sitzungen vom 061261 und dem 120571 (die gesprochene und didaktischere version von Lituraterre):
es wird mir darum gehen…eine konsistente schrift (die also, entgegen dem was lacan im postface zum auf deutsch veröffentlichten seminar11 über schriften/das geschriebene sagt, “zu lesen ist”, von sich aus spricht) der konsequenzen der lösung des signifikanten von jeder qualitativen differenz, message oder bedeutung (signifie) zu bewerkstelligen…auszugehen davon, dass es der schrieb (ecriture) ist, der die kontinuität der “dinge” und die jeweilige präsenz ihrer aspekte stützt (supporte), und der schrieb weder von der dauer des eindrucks (impression/imprint) eines dings abhängt, noch sich einer evidenz oder einem sinn in einer (intelligiblen) welt verdankt, sondern diesen überhaupt erst den platz (place) bereitet.
als vorausgesetzt soll mir gelten, dass das subjekt ohne jedes wissen über das, auf was es in der welt treffen wird auf die welt kommt. es schon empfindet, doch im zweifel über die ursache seiner empfindungen ist, die es im wechsel der fortwährenden nachträglichen be-deutung des schreis in der wiederholten (liebes)forderung und der “elterlichen” deutung eben dieser, in dem ihm zur verfügung stehenden signifikanten material ausarbeitet (oder eben dieses es/sie ausarbeitet). dieser liebesanspruch ist s, das sich wiederholt und als rest das begehren als signifikat der kastration ( ) hervorbringt. er ist es auch, der die erste sprache (lalangue), die sich, rein partikular, aus der nicht inhaltlich motivierten verknüpfung von signifikanten mit befriedigungserlebnissen und dem spiel des equivoks/klanges und “mißverstandenen” entwickelt, zu einer form der sprache, die als diskurs funktioniert, ausarbeitet. der versprecher ist ein gelungenes sprechen, in dem sich etwas befriedigt, das “zwischen den zeilen gesagt”/verboten (inter-dit) ist.
dabei wird der signifikant ohne signifikat übermittelt (taucht zuerst im realen auf), gestützt nur durch die materielle grundlage (support) die der signifikant im buchstaben nimmt…was dem subjekt zur suche nach dem voraus-gesetzten sinn des sagens/gesagten des Anderen nur den buchstaben als material/essenz, dauern seiner frage lässt. “die” sprache bedarf radikal der immerwährenden deutung in der sie sich aktualisiert, man schafft sie in jedem moment neu. sie ist kein system von zeichen oder ein code, obwohl sie ähnliche funktionen erfüllt, sondern reine differenz. die frage des subjekts findet seine grenze (littoral) und das “loch (trou) im wissen”, so nicht, wie man denken könnte, im bezug auf ein existierendes objekt (dem sich nur der schein eines complements für den mangel beilegt), das sich in der sprache ausdrücken würde, sondern im buchstaben, der die einzige möglichkeit eines verhältnisses des symbolischen zum realen (als logisch verfaßtem) darstellt. das objekt, wie der Andere, ex-sistiert also immer nur im bezug auf bzw. als das loch im symbolischen, das der ort ist wo alles reale auftaucht, nur um wieder auf den geläufigen diskurs (discours (anklang an disque/platte die sich wiederholt) courant), aufs imaginäre und seine konsistenz reduziert zu werden. die analyse gilt dem signifikanten vor der dieser imaginären zeit der antizipation und des sinns (in der welt). die einzige existenzform des Anderen ist, da es keinen signifikanten gibt, der die gesamtheit der signifikanten bedeuten könnte (was dem faktum der mythischen urverdrängung und dem “nabel des traums”, die freud anzunehmen sich genötigt sieht, entspricht), das objet a (objet a, en-form de A: 160569). das objekt a ist ein teil des subjekts der in der signifikanten operation abgetrennt wird, es ist kein sein, aber das einzige sein des subjekts, sein supplement (nicht komplement) und unterhält sich aus der ständigen wiederbesetzung mit dem “zuviel an-/ mehr-geniessen” (plus-de-jouir/ anklang an mehrwert) des körpers. das objekt klein a klingt auch an “kleiner kissenzipfel” (tas) an, hat beziehung zu winnicotts übergangsobjekt und ist eben das objekt für das es keine vorstellung gibt.
es wird zu klären sein:
-in wie weit fällt der buchstabe mit den kleinsten unterscheidenden merkmalen (wie sie von roman jakobson beschrieben werden) in der sprache, die existenz nur als unterscheidungen (differenzen) und nicht als solche haben, zusammen?
-was der unterschied zwischen einer klasse (die ich als durch eine eigenschaft bestimmt annehme) und einer menge (die durch die sie bezeichnenden buchstaben nicht beschrieben, sondern überhaupt erst erschaffen wird) in der mengentheorie ist.
-ob die wahl des übernommenen “einzigen zuges” (der symbolischen identifizierung), den freud in “massenpsychologie und ich-analyse, kap.7″ einführt, über die “unmotiviertheit” (in bezug auf den symbolisch-differentiellen wert den er für die eine und den anderen hat) hinaus, in den verschiedenen klinischen strukturen sich nicht doch in irgendeiner form einer wahl unter qualitativen aspekten verdankt. diese letzte frage führt auf die äusserungen lacans in der sitzung vom 160569, wo er in bezug auf die formen des “objet a” (blick,stimme,…) von den “quatre effacons du sujet” (den vier ausstreichungen (anklang an facons) des subjekts) spricht…der je spezifische umgang eines parletres (sprechwesens) mit dem in der logik des signifikanten/der kastration begründeten “mangel an sein” (manque-a-etre) zeigt sich in je verschiedenen modalitäten der verleugnung, verdrängung und verwerfung dieses mangels. ziel der analyse ist es, diesen mangel der, wo er fehlt, angst erzeugt, fruchtbar zu machen, d.h. dem subjekt im “den mangel annehmen”, zu ermöglichen zu begehren.
was motiviert die wahl des signifikanten, auf den dieser mangel (des proportionalen verhältnisses zwischen vorstellung und objekt, oder auch der identität des signifikanten mit sich selbst, in lacans terminologie: des rapport-sexuel) insistiert? der vielbeschworene “phallus” ist das rätsel dieser nicht-beziehung der geschlechter (das aus dem (nicht)anerkennen der geschlechterdifferenz, in parallelität mit der beziehung subjekt-Anderes resultiert) und nicht die essenz einer organischen beziehung, die man lacan, in völliger ignoranz bezüglich seiner theorien, in diesem term festzuschreiben unterstellt.
-wie ist der reine signifikant (ohne signifikat) der qualitätslosen wiederholung, mit dem objekt als anderem und in der erfahrung positiv bestimmtem vermittelt? was ist die insistenz des lettres?
der buchstabe hat in der lacanschen lehre mindestens drei “bedeutungen”: er ist einmal die materielle grundlage, die der signifikant in der sprache nimmt und mit dessen hilfe der signifikant entlang je (un)persönlicher linien sich ausarbeitet, und ist andererseits als buchstabe wie man ihn in mathematischen (algebraischen und mengentheoretischen) formeln, die laut lacan ohne bedeutung und somit real sind, findet, zu verstehen. eine andere verwendung des buchstabens (lettre) ist im französischen: brief. diese benutzung des lettre ist relevant im “seminar über den entwendeten brief(lettre) ” und wird in “lituraterre” aktualisiert als: leerer brief (lettre), der nicht existiert (hat) sondern nur ex-sitiert und der seine wirkungen ohne bezug auf seinen inhalt zeitigt und seine signifikanz von der unterstellung (supposition) eines ausstehenden sinns, den ihm jede(r) zumißt, her nimmt. der phallus ist diese ausstehende bedeutung des begehrens des Anderen (das “was begehrt es in mir?”), der man im signifikanten des unterstellten mangels im Anderen (der weder mit einem empirisch-vergangenen noch mit einem konkreten gegenüber zusammenfällt sondern sich in ihm nur symbolisiert), an den man ihn zu erinnern trachtet, indem man sich mit diesem signifikanten identifiziert, folgt.
der phallus reduziert sich also auf die bedeutung welche aussteht (est de privation), nicht mehr. und verbindet sich mit der definition die lacan von der privation gibt: das reale fehlen eines symbolischen objekts. “die mutter”, wie “der vater”, tauchen an den plätzen des objekts (das als einzige substanz seine mit libido besetzte bahnung hat), der symbolischen trennung und vermittlung (die das auftauchen eines dritten (signifikanten) im diskurs des ersten liebesobjekts ist) und des gesetzes (das das subjekt davon befreit im geniessen (der jouissance) des ersten liebesobjekts aufzugehen), und formen sie nicht nach ihrem vorbild. der der psychoanalyse gebotene zugang zur erfahrung des subjekts ist nicht empirisch, beschäftigt sich nicht mit personen oder anderen empirischen montagen oder einer “psychobiographie”, die im “verstehen” den zugang zum je besonderen eines subjekts nicht nur versperren, sondern ihm auch real nicht entsprechen. das wovon das subjekt ausgeht, sind signifikanten, die, nach lacan, erstmal ohne bedeutung gegeben sind. nach jeder “deutung” des gehörten/verstandenen (entendre) bleibt ein unreduzierbarer rest, bei dem man rechenschaft für die phänomene des subjektiven zu suchen hat, diese “deutung” in der aktualisierung der signifikanten kette ist das begehren selbst.
die frage des realen wird sich in all ihren aspekten stellen, wobei ich die vielen anwendungen die dieser term im lacanschen werk findet, darüber hinaus dass es mir als der schnitt des nicht-verhältnisses zwischen dem einen und dem anderen gelten soll, von den zwei aphorismen “das reale ist ohne sinn”(seminar23) und “das reale, das ist die struktur”(seminar16) ausgehend, abzuleiten versuchen werde. eine ableitung aus der kombination dieser beiden aphorismen wäre z.b., dass der ort des realen eben das reale nicht-verhältnis zwischen dem realen der schrift und dem realen des anderen ist. das das gesetz (z.b. der vorstellung) im realen nicht ist. das reale besteht außerdem in der unterstellung eben dieses wortes “real”.
