gewaltsinn

„dichtung: das kann eine atemwende bedeuten.“ p.c., „der meridian“

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„der schrei schafft den abgrund in den sich das schweigen/die stille stürzt“

j.l.,seminarXII:„subjektive positionen des seins“: sitzung zu munchs “der schrei“

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der sinn, sagt lacan in seminar21, ist eine intuition dessen, was zu symbolisieren ist, er ist was den entzifferungsprozess des symbolischen (auch als hemmung und zensur) stoppt. man stoppt in einem sinn, alles hat bereits sinn für das subjekt, es hält an diesem sinn fest, was teil seines leidens ist. er ist im register des imaginären und damit der existenzform des körpers für das sprechende sein. das imaginäre ist je auch eine antizipation des zukünftigen, der erfüllung des sinns, es ist die einheit dieser antizipation, die, als sich unter dem signifikanten der identifikation im anderen (als selbst) setzende, in der gewalt zerschlagen wird.

das subjekt kann danach, nicht zuletzt sich, nur noch schwer vertrauen, da es sich, um der (damals meistens unerwarteten oder einfach nur als angstphantasie antizipierten) gewalt zu entgehen, gezwungen sah sich dem gleich zu machen, was es annahm, dass der/die andere von ihm/ihr dachte/wünschte, es versucht(e) sich liebenswert zu zeigen, indem es mit einem als erwartet erwarteten wunsch reagiert(e) („das begehren ist das begehren des anderen“) und sich mit dem bild, das es annahm, dass der/die andere es von ihm hätte, identifizierte. im fall der gewalt (auch der sexualisierten gewalt (die ich hier, obwohl sie natürlich ungleich widerwärtiger als „einfache“ gewalt ist, nicht von dieser unterscheide)): das, was er/sie haßt(e)! (natürlich kann das subjekt niemals rausfinden was das (was es dem anderen also war) war. da es der zufall und nicht innerliche notwendigkeit war/ist, die den/die täterIn seinem/ihrem opfer aufdrängt.

der signifikant, als existenzform des subjekts, ist/wäre etwas anderes als der sinn den das subjekt dem ereignis gibt, er liegt vor dem sinn und der welt und produziert sinn nur im reduziert werden. die psychoanalyse versucht, durch ihre grundregel der „freien assoziation“(einfach zu sagen was einem in den kopf kommt, ohne es zu bewerten), den signifikanten, und damit das subjekt, dessen existenzform er ist, vom in-einem-sinn-petrifiziert-sein, zu befreien.

das andauernde gewaltverhältnis (und auch das nur kurz andauernde traumatisierende) zwingt das subjekt, sich in den anderen hineinzuversetzen, es lebt in einem versuch, den sinn des anderen zu ergründen (welcher in der gewalt einer ist, der das subjekt als schuldig darstellt##fundamentales bedürfnis dass der andere gerecht sei##): in der zeit des anderen. es ist dies, was das opfer den vorstellungen von den vorstellungen des/der tätersIn, über die zeit des körperlichen zugriffs hinaus, ausliefert und was die herstellung einer kontinuität der eigenen zeit für das opfer dauerhaft erschweren kann. es ist fixiert im hier-und-jetzt, was nur ein rest der starre des damals ist. es ist, in der sich als lebensbedrohlich darstellenden situation, paradoxerweise gezwungen (gewesen), dahin zu „regredieren“ den/die andere/n (täterIn) auf die position des archaischen liebesobjektes zu setzen. dieses#arch. liebesobj.##, dessen liebe/guten willen es in todesangst und ohnmacht zu erlangen trachtet(e), und fällt daher nach der tat in ein noch lange andauerndes gefühl der nichtexistenz ohne das „liebesobjekt“ (da dieses ihm in form des/der täters/In die größtmögliche ohnmacht zufügte).

es opfert, in diesem „dem anderen panisch zu willen sein wollen müssen/ausgeliefert sein“, sein bewußtsein der ungerechtigkeit von dessen handeln, wenn nicht auf dauer so doch für den moment, so dass es im moment der todesangst wenigstens erhoffen kann, dass der/die andere es schont. es verliert dabei, in generalisierung auf viele bereiche des lebens, seinen glauben in seine fähigkeit zur integrität und glaubt dass der/die andere nicht nur ihm nicht glaubt, sondern es eben auch nicht will oder muss: was in den „normalen“ situationen des lebens gottlob gerade eben nicht der fall ist, da der/die andere mich für genauso signifikant nimmt, wie ich ihn/sie (wenn auch natürlich nur als je spezielle form seines/ihres anderen und nicht als „ichselbst“).

da wo das opfer, das immer dazu neigen wird, das ereignis zu verdrängen und abzuspalten, sein eigenes leiden darstellt, wirkt sich die situation aus mehreren gründen so aus, dass es sich über das, was es spürt hinaus ausdrücken muss. traumatisierungen äußern sich oft in einer oberflächlichen und innerlichen indifferenz und/oder verwirrung (die das leiden natürlich unberührt lassen, ja das quälende gefühl der selbstentfremdung mit bedingen), die nicht leicht zu deuten sind. das ereignis wird unter umständen schon kurz nach der tat bewußt garnichtmehr erinnert. es ist der schutzreflex gegen die traumatische situation des unrechts und der todesangst, der, im weiterbestehen über die bedrohungssituation hinaus, so das opfer von der wahrheit seines leidens trennt.

der sinn ist, wie gesagt, auf der ebene des selbstbildes des körpers als imaginärem. dieses bild wehrt dem ürsprunglich fragmentarischen des körpers (dem realen körper ohne sinn, der sich am anfang des lebens der motorischen kontrolle entzog, was die ursprüngliche ohnmacht ausmacht), dieses bild (der antizipierten selbstbeherrschung) ist eine notwendige phantasie. die gewalt führt das subjekt zurück an diesen ort, an dem es nicht ist. zurück an den ort dieser ursprünglichen ohnmacht, aus der heraus sich das opfer an den/die täterIn (den erwachsenen) richten muß, es wird praktisch „infantilisiert“. sein sinn wird negiert, es ist (obwohl das unmöglich ist) im sinn des/der täters/In, der frage des „warum?“, welche ihre antwort natürlich in eigenschaften des/der täterIn finden müßte. was aber, wenn man ihn/sie nicht kennt, nicht anders bearbeitet werden kann, als in dem, was einem von den zufälligen begleitumständen der situation bleibt: fragmente, oberflächlichkeiten und eben die sehr allgemeine, freischwebende, objektsuchende, angst selbst.

wenn der/die täterIn eine primäre bezugsperson ist (also auf der position steht, an welche die, durch die sich lebensbedrohlich darstellende situation ausgelöste, „regression“ des opfers den/die täterIn, auch im traumatischen einzelereignis, setzt), bleibt dem subjekt nichts, als die frage nach dem sinn der gewalt des anderen auf eigene kosten zu lösen. es geht, mit der gewißheit der ungerechtigkeit dessen, was ihm angetan wurde/wird, seiner selbstgewißheit verlustig. sein “nein, das ist nicht so/ich will das nicht” ist in seinem wert in frage gestellt worden.

jede aussage von der art eines „so schlimm ist es jawohl nicht“, „du hast ja aber auch…“, „du mußt einfach an was anderes denken“ kann(!) gut gemeint sein, schlägt sich aber, da es das andauern des leidens und die “gründe” des geschehens in den verantwortungsbereich des opfers verschiebt, auf die seite des/der täters/In. der/die täterIn steht sowieso schon in der position der ignoranz, “das opfer” (opfer sein ist ein zustand und keine eigenschaft) wurde in die des vorauseilenden gehorsams gezwungen. das opfer; insofern es den schritt, sein leiden mit den taten in bezug zu bringen, tun muss, um sich als selbst, mit selbstgesetzten grenzen, zu retten; muss sich dem sinn des/der anderen (oder besser: der vorstellung von diesem) entschlagen und wird darin von jeder relativierung wieder auf die unerträglichen positionen, die als sinn in ihm dauern, zurückgeworfen. auch die antwort der psychoanalyse: „aber warum erzählen sie mir das?“ und ihre fehlende offene emotionale anteilnahme, ist in diesem zusammenhang für die/den betroffene/n erstmal zynisch: wie die figur des/der täters/In(!), die das opfer, für schuldig und nur zurecht bestraft/so behandelt, erklärt.

die gewalt bricht die grenze die das symbolische konstituiert, das subjekt erfährt sich als reines objekt des geniessens des anderen, und reduziert noch sein subjekt sein darauf. eine erfahrung jenseits jeder momentanen vermittelbarkeit. sein sprechen und willen werden negiert. handelt es sich um primäre bezugspersonen (was, ich wiederhole es, aber die funktion ist als die der/die täterIn sich dem subjekt immer aufgenötigt hat: darin liegt auch der wert für den/die täterIn sich so zu verhalten. es ist diese macht in der ohnmacht des/der anderen, die er/sie sucht), ist der sinn unter dem sich der signifikant der subjekt repräsentiert reduziert findet. die stratifikation des signifikanten ist es, die für das subjekt die konsistenz seines symbolischen systems trägt. der signifikant ist, im gegensatz zum sinn den das subjekt dem geschehen so gibt, kein komplize des/der täterIn.

die konsistenz der welt hängt für den/die traumatisierte/n dadurch am urteil des („geliebten“) anderen über es. handelt es sich tatsächlich um eine person an der die identifizierenden merkmale in der kindheit über lange zeit hinweg aufgefunden/ausgearbeitet wurden, ist eine auseinandersetzung (in wort und denken) mit dieser wohl unumgänglich. „das opfer“ ist, mehr als jede/r andere, nur in seinem/ihrem ethischen appell präsent und bedarf des verständigen wortes. das subjekt wiederholt, in psychoanalytischer sichtweise, die gewalt die ihm angetan wurde, still, in jedem wort seines sprechens, hin auf einen abwesenden dritten##gerechtigkeit##. darin, dass das aktuelle gegenüber, diese nachricht (aus unbewußter sicht des subjekts) empfängt, liegt seine „schuld“, die es flieht. in jedem seiner worte ist, still und für den/die andere/n natürlich real unhörbar, die frage nach der aufklärung des sinns der tat und die forderung nach gerechtigkeit, die es sich oft aber eben selbst nicht zubilligt, um nicht der angst ausgesetzt zu sein (effekt von dem was die freudsche „identifizierung mit dem angreifer“, die eine äußere instanz ins selbst verlegt, zu beschreiben sucht), verziffert, eingeschlossen präsent.

diese identifizierung macht ein (sich selbst) vertrauen für es oft schwierig, man muss ihm erlauben die angst und das mißtrauen in die aktuelle situation mit einzubringen. alles andere wiederholt das schweigen das dem opfer über sein leid auferlegt wurde. dieses schweigen ist es, dessen sich das traumatisierte opfer ständig erwehren muss. die zwickmühle des opfers ist, dass es zwar nicht aufhören kann die signifikanten, in denen das trauma insistiert, zu wiederholen, es aber auch nicht ertragen kann, dass jemand sie hört oder dass die erinnerung an den/die täterIn auf das aktuelle gegenüber übertragen wird (ein passiver vorgang!). hier offenbart sich der “zynismus” der analyse als erlaubnis zur wahrheit. der/die analytikerIn taucht, ohne persönliche gefühle einzubringen, an der stelle auf, wo das subjekt ihn/sie hinsetzt (mit all den negativen gefühlen die das notwendig impliziert). das ist die gnade der/des psychoanalytikerIn.

strukturelle gewalt ist still, wer teil von ihr ist (schweigt), hält sich in einer solidarischen ignoranz mit dem täter, die das opfer, in der ständigen anstrengung seine wahrheit zu verteidigen, gefangen hält. jede/r der/die sich nicht bedingungslos und lautstark auf die seite des opfers schlägt, unterstützt, ob er/sie sich dessen nun bewußt ist oder nicht, ob aus angst oder unverständnis, den/die täterIn, und ist darauf hinzuweisen! eine anerkennung des täters im umfeld wirkt sich, ohne anschauung des maßes an gewalt, das bei der tat zur anwendung kam und besonders wenn sie subtil war, auch zusätzlich traumatisierend aus, da dem traumatisierten menschen der glaube an die wahrheit und wirksamkeit seiner worte tendenziell sowieso schon genommen ist. es geht um die wahrheit. nur wer erinnern darf, kann auch vergessen.

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Published in: on August 15, 2010 at 5:26 pm  Leave a Comment  

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