„diese lehre ist eine absage an jedes system. sie deckt ein denken in bewegung auf – gleichwohl fähig zum system, denn es zeigt notwendigerweise ein dogmatisches gesicht. Freuds denken hält sich durchweg geöffnet für überprüfung und überarbeitung. ein irrtum, es auf abgenutzte worte zu reduzieren. jeder begriff besitzt in ihm sein eigenes leben. und genau das heißt dialektik.
einige von diesen begriffen waren in einem bestimmten augenblick für freud unentbehrlich, denn sie enthielten die antwort auf eine frage, die er zuvor, in anderer terminologie, formuliert hatte. ihre bedeutung kann also nur erfassen, wer sie in ihren kontext wieder einsetzt. doch es genügt nicht, geschcihte, theoriengeschichte zu treiben und zu sagen, daß freud in einem szientistischen jahrhundert aufgetreten sei. mit der traumdeutung wird nämlich eine qualitative differenz, eine konkrete psychologische dichte wiedereingeführt, will heißen der sinn.
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unsere aufgabe ist es hier, das register des sinns wiedereinzuführen, ein register das selbst auf seinem eigenen gebiet zu reintegrieren ist.
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betrachten wir nun den begriff des subjekts. wenn man ihn einführt, so führt man sich selbst ein. der zu ihnen spricht, ist ein mensch wie die andren – er bedient sich einer unscharfen sprache. er selbst steht also in frage.
freud weiß nun von anfang an, dass er auf dem gebiet der analyse von neurosen nur dann fortschreitet, wenn er sich selbst analysiert.
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neurotisch zu sein kann einem also dazu verhelfen ein guter analytiker zu werden, und zu beginn hat es freud gute dienste getan. wie monsieur jourdain mit seiner prosa, so machen wir sinn, widersinn und un-sinn. doch kommt es darauf an, die linien der struktur zu finden. auch jung entdeckt in den religiösen und den traumsymbolen, zu seinem entzücken, bestimmte archetypen, die der menschlichen gattung insgesamt eigen sind. auch das ist eine struktur – doch eine andere als die der analyse.
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die einführung einer ordnung von bestimmungen in die menschliche existenz, in die domäne des sinns, heißt vernunft. freuds entdeckung ist die wiederentdeckung der vernunft, auf einem brachfeld.“
j.l. in der ersten sitzung von seminar1: “freuds technische schriften”1953
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“ich beginne wieder. ich beginne wieder,
weil ich dachte,
dass ich vielleicht in der lage gewesen wäre zu enden.”
j.l. in der ersten sitzung von seminar21: “les non-dupes errent/die nicht-genarrten irren sich”13.11.1973
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von 1973, mit der sitzung “fadenringe” des seminars 20 beginnt lacan mit der ausarbeitung dessen, was die letzte phase seiner “logik in gummi”, die er im seminar4 “die objektbeziehung” inaugurierte, gewesen sein wird. der borromäische knoten, definiert mindestens drei glieder zu haben, die, wenn eines gelöst wird alle wieder frei sind, fungiert dabei als mittel der demonstration von etwas das anders geordnet ist als nach den drei dimensionen des raumes oder denen des diskurses. das sprechende wesen, das sein wesen aus der sprache hat, ist misrepräsentiert im dreidimensionalen raum. die drei dimensionen des parletre sind: das reale, das symbolische und das imaginäre. der akzent dieser schreibweise liegt auf dem partikularen des geniessens des einzelnen und dem urverdrängten, welche sich nicht einem innerweltlichen sinn integrieren lassen…
die grundlagen für dieses projekt werden im seminar “les non-dupes errent”(1973) (gleichklingend mit “les noms-du-pere”(1964) dem titel des seminars in dem lacan das, was in der freudschen lehre als vater bezeichnet wird mit der figur des “vaters” in der bibel verknüpfen wollte und eine pluralisierung der namen des vaters einführen wollte, die dem rechnung tragen sollte, dass jeder signifikant die rolle der benennung erfüllen kann, eine entwicklung die also gegen den freudschen androzentrismus gerichtet war; das seminar musste nach der ersten sitzung (“die namen des vaters” bei turia und kant erschienen) abgebrochen werden und lacan hat versprochen dieses thema nie wieder aufzunehmen) ausgearbeitet. lacan entwickelt dort (1973) das, was er das irren derer, die sich nicht von ihrem ubw narren lassen nennt. man irrt weil/wenn man hypothesen macht, oder etwas von einer norm/harmonie/finalität ausgehend denkt, die für das “objekt” nie/nicht zutreffend ist. ein narr hingegen läßt sich von der struktur leiten und entkommt damit dem schein-sinn in das, was das sinn-vollste ist: das rätsel. er konfrontiert sich dabei dem unsinn des realen, in dem es kein verhältnis gibt, ausser als ex-sistenz des symbolischen, und liebt (sein ubw).
lacan wird in der grossen dritten “rede von rom” sein sprechen, als in diesem fall von geschriebenem ausgehend, rückbeziehen auf den inauguralen akt des lacanianismus: die rede von rom (1954), wo der grundstein für seine art die beziehung des menschen zu seinem ubw zu denken, gelegt wurde. “die dritte” beginnt mit ausführungen über die stimme als objekt a und darüber das es keine onomatopie gibt die ihren wert nicht aus der phonematischen differenz der sprache nimmt, die sprache bezeichnet nicht durch ähnlichkeit sondern aus reiner differenz. so ist auch der signifikant der das subjekt für einen anderen repräsentiert ein buchstabensignifikant der dadurch fruchtbar ist, dass er keinen sinn hat. fast zeitgleich hatte lacan zuvor (1953) in der neugegründeten psychoanalytischen gesellschaft, in der er lehranalytiker war, den eröffnungsvortrag “das symbolische, das imaginäre und das reale” gehalten, ein titel der mit variierter reihenfolge im gleichen jahr (1974) als “real, symbolisch, imaginär(RSI)” den titel seines seminars22, das sich die frage nach der sinnwirkung um die es in der psychoanalyse geht stellte und die beziehungen der drei register zueinander darstellte, liefern sollte.
während die erste rede von rom die sprache schon stark als nicht primär der kommunikation dienend demonstrierte, blieb dochnoch die möglichkeit das darin gesagte als auf eine “intersubjektivität” abzielend zu verstehen.
ein ort der sprache (was bei lacan diskurs heisst) wurde 1954 (als “der große andere” oder besser “groß A”(ab seminar2), ein von levi-strauss’ strukturalismus inspirierter ort der sprache und konventionen) schon implizit/noch vorausgesetzt, dessen fehlen oder unmöglichkeit als geschlossene ordnung, hier (1974) ohne ambiguitäten als ausgangspunkt für eine demonstration des sprachlichen seins als jenseits jeder harmonie von vorstellung und ding situiert, dient.
das realste ist das symptom. welches das thema des seminars23 von 1975 “le sinthome” bilden wird. außerdem arbeitet dieses seminar, das dem schreiben von james joyce gewidmet ist, über das savoir-faire mit dem ubw, oder besser gesagt: das savoir-faire des ubw, denn wenn man etwas wie finnegans wake liest, wird klar dass es ein schreiben jenseits dessen, was bewußte intention sein könnte, gibt, welches auch gut die unmöglichkeit einer erschöpfung des möglichen an sinn in einem “stück sprache” demonstriert. lacan hatte im jahr zuvor auf einem james joyce gewidmeten symposion in paris einen vortrag gehalten, den er, in abgrenzung von “joyce-dem-symbol”, ”joyce -das-symptom” genannt hatte; damit darauf anspielend, dass bei joyce das geniessen, das die chiffrierung des ubw impliziert, über die funktion der sprache als botschaft, die sich nach lacan nur als verkannter effekt ergibt, klar überwiegt.
in seminar24 “L’insu que sait de l’une-bévue s’aile à mourre” (eine mögliche übersetzung: “man/es wußte dass es ein falscher mond war auf den flügeln der liebe”, “der fehler des unbewußten, das ist die liebe” oder “das ungewusste, das um die eine spaltung weiss, beflügelt sich zu einem ratespiel mit den fingern” ) redet lacan viel über die poesie und die erfindung eines neuen signifikanten, der hervorgebracht werden müßte um den anderen einen neuen sinn zu geben. die dichtung wird ihm vielmehr in der betonung (dass sie sich singt) als im geschriebenen das was resonanz gibt. der begriff der vorstellung (die bei lacan imaginär ist) wird vom signifikanten abgehangen.
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wenn lacan auch nie die beziehung auf den anderen als solchen für möglich erklärt hatte, wird sie hier, als jenseits jeder möglichkeit liegend, im konzept des geniessens des anderen für unmöglich und als das unmögliche erklärt. die lacansche operation; des ein geschlechtsverhältnis, als einen typus von harmonischer beziehung reproduzierendes, für nicht existent zu erklären; die vor allem auch die unmöglichkeit des zusammenfallens von vorstellung und objekt entwickeln sollte, wird hier beim wort genommen und ist die grundbedingung der möglichkeit des neuen…
