“ein gedicht nenne ich jenes, was das herz lernt und lehrt, jenes, was das herz erfindet, jenes schließlich, was das wort (des) herz(ens) zu bedeuten scheint und was ich in meiner sprache schlecht von dem wort coeur – herz – zu unterscheiden vermag. coeur, das herz in dem gedicht “apprendre par coeur” (lerne auswendig, a apprendre par coeur), nennt nicht mehr bloß die innerlichkeit, die unabhängige spontaneität, die freiheit, sich selbsttätig zu affizieren, indem man die geliebte spur reproduziert.”
“nichts noch wußtest du vom herzen, jetzt lernst du es.”
j.derrida
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“die geschichte, für ihren teil, ist konstruiert aus dem was passiert, mit dem losschicken eines lettre, einem ausstehenden/verlorenen [en souffrance], ohne zu wissen was passieren wird. es geht darum ihm zu folgen, und von welchem term das fakt gestützt werden kann, das ich für meinen teil über diesen lettre aussage, in verbindung mit ihm sagen kann: dass ein lettre immer seinen bestimmungsort erreicht.”
j.lacan
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gegeben: drei texte die dem geschriebenen/der dichtung rechnung zu tragen suchen: paul celans “meridian”(1960), jacques derridas “was ist dichtung?” (1989) und jacques lacans “lituraterre”(1971). alle ausgehend von einem “woher”, durch ein “wo durch” und in welcher “form”, hin zu einem “woraufhin”, sollen mir den ausgangspunkt bilden dafür, über der übersetzung der texte ineinander den gegenstand (das gedicht), in seiner unwahrscheinlich punktuellen zeitlichkeit wiederzufinden, wo er/es in seiner elliptischen, verstummenden buchstäblichkeit das “ganze” der sprache (die immer nur die je eines ich unter dem neigungswinkel seiner existenz ist) auf den anderen/das andere hin aktualisiert.
nicht nur ist der gegenstand über den sie (die texte) sprechen, ein gleicher, auch die form die sie ihm geben weist ähnliche positionen aus (es wird am ende aber auch darum gehen, sie als verschiedene darstellung des schreib/sprechprozesses darzustellen):
in allen drei texten ist es eine scheidende linie, die ort der unmöglichen begegnung/übersetzung des einen mit dem anderen ist (meridian des auf sich zurückkommens von den beiden polen (celan); zu über-setzende strasse (derrida) und die grenze, die, im zwei territorien trennen, nur ihre (unmögliche) identität beweist: das littorale (lacan)).
in den worten ist jedem von ihnen eine ur-sache, die es noch zu anzusprechen/erfüllen/erreichen gilt (atem, herz, geniessen) und die motor der aktualisierung ist…und eine form in der sie sich bewegt (das gedicht; das diktat (das man mit dem herzen lernen (apprendre par coeur) will, und der lettre, dem keine referenz ursprünglich eingeschrieben ist).
ihnen allen ist das gedichtete nicht wesentlich in der kommunikation, sondern nur im gerichtetsein auf “den/das andere(n)”, als: sprache in statu nascendi (celan), ding jenseits der sprache (derrida), und lettre, der, weil ohne eingeschriebenen gegenstand, immer seine destination erreicht (lacan).
ihnen allen ist das gedichtete elliptisch und umgeben von einem verstummen, ich will und muss versuchen diesem verstummen zwischen diesen texten und ihrer übersetzbarkeit ineinander nachzuspüren…
welche perspektiven erlaubt lacans letzte theoriephase des borro-knotens, wie juranville sie im letzten kapitel seines “lacan und philosophie” liesst, bezüglich der dichtung zu entwickeln? es geht darin um das konzept eines reinen signifikanten, der, noch vor der imaginären zeit der welt liegend und noch keine einheit als signifikat aufweisend, im realen ohne sinn auftaucht. der analytiker soll diesen “neuen signifikanten”, der nicht durch eine gebrauchsweise charakterisiert und reduziert wäre, hervorbringen (was ein loch im realen macht) und mithilfe dieses ex-sistierenden signifikanten die anderen signifikanten benutzen wie namen (was eine sinnwirkung ist). das reale ist dabei das immer schon vergangene, das nur erscheint um wieder zu verschwinden (das vergangene), in der gegenwart vom symbolischen punktiert wird und dadurch seine einheit erhält (in der gegenwart), wobei die antizipation des sinns als reduzierung des symbolischen stattfindet und das zukünftige imaginär entwirft.