l’echec du sens

ein jahr ist vergangen, und mein geburtstag nähert sich, ein willkürlich gesetzter, aber auch ein zyklus der nicht aufhört sich zu schreiben; auch dieser blog schließt einen zyklus und tut dies, wie es für den „moment des schliessens“ (der dem „moment des sehens“ und „der zeit zum begreifen“ hintanzustellen ist), nach der lacanschen einteilung (1945) dessen, was später (1975) der knoten der zeit genannt werden wird, charakteristisch ist, in hast.

es begann mit einem gedicht, das antizipation (die eigentliche konsistenz des allzu imaginären mentalen also) war und bea gefiel. puschel sorgte dafür, dass es auch wirklich online ging, brachte es in die gegenwart (als das punktierende des symbolischen). diese zeit (des dichtens) ist vorbei (sie wird mir immer real bleiben), ich gebe hier das, was nicht mehr und nicht weniger als der beginn meiner arbeit an lacans seminar XXI und den letzten kapiteln von alain juranvilles „lacan und die philosophie“ ist und schreibe den rest auf eine andere blattseite.

von einem gedicht zum zeichen, zur spur, zum signifikanten, zum buchstaben und zur schrift; bin ich angelangt bei dem, was geschichte, sprache, psyche und das denken vereint: der sinn und sein fehlen.

es ist dies auch eine frage über gottes verhältnis (als eines gottes aus dem sprechen) zu diesem, die sich durch ein seminar zieht, das der beginn der letzten phase von lacans lehre gewesen sein wird, über die er selber einmal gesagt hat: „entschuldigen sie meinen hochmut, aber das, was ich hier mit meinem borro-knoten vor ihnen zu entwickeln suche, ist nichts geringeres als die erste philosophie die mir haltbar zu sein scheint“. es ist auch eine frage, die lacans dictum von 1971 wiederaufnimmt, dass jeder sinn religiös ist.

anne und will durant erzählen in ihrer „kulturgeschcihte der menschheit“ von abbé … einem priester in frankreich, der seinen glauben, bereits zu anfang seiner tätigkeit für seine schafe, verloren hatte. er schrieb 17… für seine gemeinde ein testament, in dem er offenbarte, dass er an nichts was er getan hatte geglaubt hatte und ging soweit zu behaupten, dass gott den menschen anerzogen wäre.

ich glaube das nicht, sondern an die ex-sistenz nicht nur des wortes/namens (ohne sinn, also im realen), sondern auch dessen, was das wort unterstellt, und in eben dieser unterstellung unmöglich zu finden macht: die je sich entziehende referenz, die das loch des wortes/sprechens ausfüllen könnte: das ding.

man könnte sich eine ähnliche frage über die liebe, die neben dem traum, ich habe es mir nicht ausgesucht, das dritte große thema dieses seminars bildet, stellen: ist es nur aus einem diskursiven sprechen, das bereits in der welt war, dass man sie empfindet oder gehören wir zusammen vom anfang bestimmt einander nur fin (ende/zweck) zu sein? (ein finalismus den nur gott stützen könnte, und dies auch immer, ob man sich dessen nun bewußt ist oder nicht, real, d.h. ex-sistent, tut. es bleibt, wenn man nicht irren will, trotzdem dabei: die liebe ist in ihrem ursprung kontingenz und schreibt sich erst dann als notwendig). so seltsam das auch immer klingen mag, ist es doch das, was, als frage zwar nur, aber doch bestehen bleibt/insistiert: das verhältnis des einen (körpers, d.h. des geniessens) zum anderen (und seinen signifikanten), das sich nicht schreiben läßt. es ist dies, als ort des sexuellen (nicht)verhältnisses, der platz an dem wir wahrheit, als je persönliches scheitern der verschriftung des wissens (über das geniessen (des anderen)) und seiner reste, erleiden/geniessen.

woher kommt es, dass das wort des priesters unter dem ich meßdiener war, für mich, selbst zu einer zeit da mein atheismus und spott doch schon so vollständig waren wie sie nur sein können…dass sein wort, dass er mir gab, es an meine mutter zu übermitteln, nämlich, dass ich ein guter junge sei, mir noch heute, trotz allem, schmeichelt. er war zwar der selbe priester, der mich als einzigen immer nur bei beerdigungen und nie bei hochzeiten einsetzte, aber die demut seiner worte, die sich nicht nur an mich sondern auch an etwas abwesendes, richteten und in dessen namen sprachen, machten dass sein sprechen wahr machte.

nicht die religion aber, der glaube beschäftigt sich mit nichts als dem sinn und der ethik. und auch wenn ich für die geschichte nur abscheu empfinde (wie lacan es mich in den acht jahren die ich ihn nun gelesen habe gelehrt hat), bildet sie doch den hintergrund für alles was ich je vorbrachte, als ein sprechen. in meiner aktuellen arbeit, die meinem leben zwar keinen sinn, aber doch einen zweck gibt, bleibt sie präsent: in form von alain juranvilles kapitel „analytischer diskurs und geschichte“, das die geschcihte in ihren epochen als einen „fortschritt“ von traditionelleren strukturen, die der perversion unterliegen, hin zu einer geschcihtlichen welt, der sich individuell nur durch den bruch mit dem sozialen sein vollziehen läßt, charakterisiert…und in form von: henry levys „das testament gottes“, in dem levy seinen geschichtlichen standpunkt (ende der siebziger, nach erscheinen von „archipel gulag“) als in einer periode des widerstreits zwischen monotheismus und (politischem) heidentum verortet darstellt. einem heidentum, das den staat vergötzt und sich an die politik hält, während es nach levy die ethik ist, der man sich überlassen sollte. sie ist was dafür sorgt, dass die eigenen entscheidungen und werte nicht einfach nur von dem abhängen, was halt gerade so ist, sondern über die situation in doppeltem sinne hinausweisen. er sieht in der bibel das erste auftauchen des modernen begriffs des widerstands, der sich im ethischen gesetz dauer gab, und in dessen spur er auch den antifaschismus seiner zeit stehen sieht.

die religiöse perspektive der frage nach dem sinn und gottes verhältnis zum namen schreibe ich ausgehend von gershom scholems aufsatz „der name gottes und die sprachtheorie der kabbala“, einem aufsatz von dem ich sagen würde, dass er der realen dimension des namens, wie das was er beschreibt, am nächsten kommt. es ist der name gottes als buchstabe oder zahl, der die schöpfung versiegelt, es ist benannt zu sein von daher, aus der spur die der name (als frei von sinn) bis an den ursprung/die schöpfung zieht. ein anderes resultat davon, gott und seine funktion des allem-richtige-namen-gebens zu denken, ist, dass es eine sprache (die, wenn gott es/sie gemacht hat, schon im realen ist) ist, in der wir leben und dass es gott ist, der sie und unser verhältnis zueinander stützt. es würde mich nicht nur in hast, sondern auch in irrtum stürzen, diese frage, in der es nicht zwei gleiche antworten gibt, zu beantworten zu suchen: es ist glaube nicht wissen, und gewinnt seine gewißheit je nur aus der wiederkehr aus dem zweifel, der die redlichkeit eines jeden wissens, und seine öffnung auf den anderen hin, gerade ausmacht. am anfang wie auch am ende steht das wort, und das ohr das es hört und dann (um)schreibt.

„der name Gottes ist ansprechbar, aber nicht aussprechbar. denn nur das fragmentarische an ihm macht die sprache sprechbar. die „wahre“ sprache kann nicht gesprochen werden, so wenig, wie das absolute konkrete vollzogen werden kann.“ gershom scholem

“aber der Vater hat so viele, viele Namen dass da nicht Einer ist der Ihm gerecht würde ausser dem Namen des Namens des Namens. kein Name ist Sein Eigen-Name ausser dem Namen als ex-sistenz.” j.l., “frühlingserwachen”

für kurze inhaltsangaben der seminarabschnitte: siehe artikel ”seminar XXI:les non-dupes errent”

Advertisement
Published in: on October 5, 2010 at 4:49 pm  Leave a Comment  

The URI to TrackBack this entry is: http://traceofink.wordpress.com/2010/10/05/echec/trackback/

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.